Re: Veränderlich und Flimmernd

CN: Ableismus, Depression, Psychiatrie / Psychotherapie, Tod, Selbstzweifel, Zwangsgedanken, binäre Sprache

Nein, das ist keine Email, zumindest Stand jetzt noch nicht.
Ich fühle mich nur „inspiriert“, ja mich schüttelt‘s dieses Wort zu nutzen, auch wenn es zutrifft in diesem Fall. Beim durchlesen fühlte ich mich an uns erinnert, ich war zwar größtenteils abwesend in den letzten Jahren, aber was Finn schrieb spiegelt unsere Entwicklung recht gut wieder, hierbei meine ich tatsächlich spiegelverkehrt. Wir sind noch immer ein System, keine Frage, aber die Hostdiversität und nun wirklich das, divers. Schon Komisch, wie aus einem Transmasc*, aroace, romance- und sex- repulsed heavy System (fronttechnisch) ein agenderflux*, sapphic und romance favourable und allosexualspec* wurde (nochmals fronttechnisch). Und das in *rechnet nach* 2-3 Jahren. Auch unser Aktivismus wurde anders, wir waren mehrfach stationär wegen schwerer Depressionen, wurden mit therapieresistenter Depression diagnostiziert, Autismus wurde weiter geleugnet und achja blieben mehrfach sitzen.
Nun haben wir die 11. endlich geschafft, haben Freunde gefunden, andere behalten, haben sehr viel Herzschmerz erlitten, aber wir sind noch immer am Leben. Wir waren zwar 2023 nicht mehr auf nem CSD, und unser Aktivismus ist weniger großflächig, aber wir waren nicht untätig, ich nenn‘s mal low spoon spooniefreundlicher Aktivismus.
Am Ende des Tages will ich uns nur stolz machen, insbesondere unser kleines wir. Wie sehr ich wünschte ich könnte zeitreisen nur fürs umarmen unser. Dieser Text mag negativ klingen, aber letztendlich ist er wie Let down von Radiohead. Radikale Akzeptanz vom jetzt, in der Hoffnung auf den Tag, wo es anders wird, nicht weltverändernd, aber anders. Das ist die Schönheit des Lebens:
Egal wie es kommt, es kommt erstmal anders. Nächste Woche sind Zeugnisse, Feriwn und der 63. Geburtstag meines Vaters, wo niemand weiß, wann sein letzter Tag beginnt, aber bis jetzt geht die Sonne auf mit seinem Lächeln und unter mit seinem ersten Schnarchem. Ich hab meinen Frieden mit der Vergänglichkeit fürs erste geschlossen. Zum ersten Mal in 20 Jahren, bin ich in passiver Harmonie mit allem, ich halte die Stille aus, Ich hab noch immer schlechte Tage, doch ich weiß ich bin zumindest faktisch nicht mehr allein und die Dunkelheit wird irgendwann wieder weniger duster und einnehmend. Was die Romantik angeht, Liebe kann immer weh tun. Romantisch, platonisch, familiär, queerplatonisch völlig egal, schätzt was ihr habt wert und sei es nur das essen eures lieblingsessens, das gucken von eurer Lieblingsserie, das Kompliment eines Kindes, eure Lieblingskonstellation am Sternenhimmel oder auch euch selbst, egal. Alles vergeht, aber Wertschätzen schafft Raum zum Erinnern, schafft eine Form der Unendlichkeit. Die Welt ist zeitweise echt ein scheiße Ort, aber nur jammern hat nur selten die Welt verändert. Aktivismus beginnt mit weniger Apathie gegeüber dem was geschieht.
Paar stunden später…
Ich will ehrlich, ich habe ernsthaft überlegt Fragmente zu löschen aus Angst jemanden auf die Füße zu treten, aber ehrlich, die Welt ändert sich nicht durch das in kauf nehmen des zurücksteckens. Ich will niemanden verletzen, aber ich weiß ich kann nur auf soviel achten, wie ich es schon bereits in der Sekunde tue. Alles danach bedeutet Ungewissheit, alles ist XP, alles ist eine weitere Erfahrung. Diskriminerung, systematische Unterdrückung, Ausbeutung, all das und weiteres bleibt scheiße, keine Frage, aber meine Aussage bleibt.
Elvira (alle Pronomen)
Weder Optimist noch Pessimist, einfach ich
In Vertretung für niemenschen außer mirselbst